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1994 entschloss sich ein kleines Häuflein von Astronomen und Astrophysikern, eine untereinander schon seit längerer Zeit diskutierte Idee ernsthaft in Angriff zu nehmen: den Bau eines Planetariums in Göttingen. Die Zeit schien günstig, denn obwohl die Stadtkassen wie die vieler Kommunen leer sind, wurde damals sehr intensiv über die Etablierung eines Wissenschaftszentrums mit nationalem Charakter nachgedacht, wobei ein treibender Gedanke die bevorstehende EXPO 2000 in Hannover war. Da Göttingen über die ICE-Verbindung keine 30 Minuten vom EXPO-Gelände entfernt liegt, war es realistisch von einem nicht unerheblichen Besucherstrom, insbesondere von Hotelgästen auszugehen. Warum also sollte man nicht versuchen, diesen Besuchern mehr als nur eine Schlafstatt und einen attraktiven Bahnhof zu bieten? Standort dieses Zentrums sollte ein zentral gelegenes, bahnhofsnahes Areal sein, dessen Hauptelement eine stillgelegte, langsam verfallende Lokrichthalle durch derartige neue Nutzung als Industriedenkmal erhalten werden sollte. Da in den meisten derartigen Science Centern ein Planetarium integrativer Bestandteil ist, und Göttingen darüber hinaus die einzige Universität in Niedersachsen mit einer Sternwarte ist noch dazu einer sehr traditionsreichen , waren wir überzeugt, dass unsere Idee überall mit offenen Armen aufgenommen werden würde. Wir gründeten deshalb im April 1994 den Verein, dessen satzungsgemäßes Ziel es ist, an der Verbreitung des modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes mitzuwirken. Mittel zum Zweck soll ein Planetarium sein, denn es gibt unserer Meinung nach kaum ein besseres Hilfsmittel, um die Basis dieses Weltbildes nämlich die Stellung unserer kosmischen Heimat im Universum und die Bedeutung unserer eigenen Existenz zu vermitteln. Von Anfang an gingen wir dabei von einem Mittelplanetarium also einem Kuppeldurchmesser von 15 bis 18 Metern aus. Besonders die geografische Lage Göttingens rechtfertigt diese Größenordnung: im Umkreis von 200 km gibt es keine vergleichbar große Einrichtung. Es war und ist uns klar, dass dies erfolgreich nur professionell und damit nicht ganz billig betrieben werden kann.
In der Tat stieß unsere Idee auf große Zustimmung: Die Zahl der Vereinsmitglieder wuchs in den ersten Jahren konstant. Viele Gespräche mit Kommunal-, Landes und auch Bundespolitikern zeigten die Plausibilität unserer Argumente. Frau Süssmuth als lokale Bundestagsabgeordnete und damals noch Bundestagspräsidentin, Herr Schröder, damals Ministerpräsident Niedersachsens, seine Fachminister für Wissenschaft und Kultur sowie Kultus und natürlich die Lokalpolitiker (Oberbürgermeister, Oberstadtdirektor, Kulturdezernent) sie alle sagten Unterstützung zu, machten aber zugleich immer deutlich, dass die Übernahme der Finanzierung des Projektes durch die öffentliche Hand, insbesondere die der laufenden Kosten von keinem Politiker verantwortet werden könnte. Gleichzeitig wurde das erwähnte Areal mit dem Namen Otto-Hahn-Zentrum getauft und damit in gewissem Maße eine Selbstverpflichtung definiert, dort nun auch tatsächlich die Verbundenheit der Stadt mit der Wissenschaft zu demonstrieren. Die städtische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GWG) wurde Eigentümerin des Geländes und versuchte pragmatische und finanzierbare Lösungen zu finden. Dies bedeutete allerdings auch, dass zunächst kommerzielle Gesichtspunkte in den Vordergrund rückten. Als erstes wurde ziemlich schnell ein Großkino in einen Teil der Lokhalle eingebaut. Leider war der Kinobetreiber nicht davon zu überzeugen, ein Planetarium mit in sein Betriebskonzept einzubeziehen. Außerdem war unter Beibehaltung des Charakters der Halle, das Planetarium in der von uns angestrebten Größenordnung nicht zu integrieren.
Inzwischen
sind einige weitere Pläne zur Gestaltung des Geländes
umgesetzt: Die Lokrichthalle wurde saniert und ist mittlerweile ein
beliebter Ort für Großveranstaltungen; die
Volkshochschule, ein Medienzentrum und ein IC-Hotel wurden neu
gebaut. Diese Elemente sind termingerecht zum Jahresbeginn
fertiggestellt worden. Die GWG hat damit die selbst gesteckten Ziele
vor Beginn der EXPO erreicht. Allein der Bezug zur Wissenschaft wird
zur Zeit nur durch ein in der großen Halle geplantes
EXPO-Projekt der Stadt und der Initiative für ein Science
Center hergestellt und dies nur bis zum Ende der EXPO.
Es ist mittlerweile ziemlich klar, dass es in Göttingen kein
Science Center geben wird. Aber: es soll ein
Kongresszentrum auf dem Gelände gebaut werden. Und hier bestehen
Aussichten ein Planetarium zu integrieren. Jedenfalls stehen wir in
intensivem Kontakt zu den Verantwortlichen.
Dreh- und
Angelpunkt ist natürlich nach wie vor die Finanzierung. Hier hat
uns der niedersächsische Wissenschaftsminister Oppermann Hilfe
zugesagt, wenn wir in der Lage sind ein sich tragendes, also
mindestens kostenerwirtschaftendes Betriebskonzept vorzulegen. Dies
vernünftig zu prognostizieren ist eine schwierige Aufgabe, an
der wir zur Zeit arbeiten. Notwendig ist die Integration in ein
Umfeld attraktiver Angebote und in ein Kongress- und
Veranstaltungsmanagement Voraussetzungen, die prinzipiell
gegeben wären, mangels einer derzeit fehlenden detaillierten,
übergreifenden Planung aber schwer in konkrete Zahlen für
einen auf ein Planetarium entfallenden Anteil (an Betriebskosten und
Einnahmeerwartungen) umzusetzen sind. Aber wir haben einen langen
Atem! Bisher gab es keinen Mitgliederschwund wegen fehlender
Erfolgsaussichten. Die Motivation ist ungebrochen groß.
Mittlerweile130 Mitglieder aus allen sozialen Gruppierungen und Altersklassen halten uns die Treue; neben dem offensichtlichen Interesse am Projekt Planetarium Göttingen liegt dies sicher auch daran, dass wir mit verschiedenen Angeboten dem Vereinsanspruch (s.o.) gerecht zu werden versuchen: ein Mitteilungsblatt mit dem Titel fpg-intern bietet sowohl vereinsinterne Informationen, als auch astronomische Fachartikel; es werden Fahrten zu Planetarien organisiert (Wolfsburg, Jena, Bochum), Beiträge zu besonderen Veranstaltungen und Ausstellungen geliefert (Tage der Experimente, Burg Plesse bei Göttingen, 1995, 1996, 1997; Tag der Raumfahrt, DLR, 1998; Astro-Tage, Kaufpark Göttingen, 1999; Bücher, Sterne & Maschinen, Städtisches Museum Göttingen, 2000, etc.) und komplett eigene Projekte durchgeführt (Begleitveranstaltungen zu Filmstarts: Contact, 1997, Armageddon, 1998; Filmfest im lokalen CinemaxX, 1998; Infostände in der Innenstadt). Alle diese Präsentationen hatten natürlich immer nur einen Zweck: die Öffentlichkeit auf uns und unsere Idee aufmerksam zu machen, wobei es durchaus interne Diskussionen, etwa bei den Filmveranstaltungen, über die Seriosität einer Beteiligung gab. Wir waren aber immer darum bemüht, korrekte Informationen zu geben, um etwa den Zuschauern von Armageddon eine fundierte Einordnung des Streifens zu ermöglichen.
Über
jeden Zweifel erhaben und als besonders erfolgreich nicht nur
bei den Mitgliedern hat sich unsere Vortragsreihe
Faszinierendes Weltall erwiesen, die mittlerweile ins
sechste Jahr gegangen ist. Die Reihe beginnt immer im Oktober und
bietet alle 14 Tage bis März zehn Vorträge zu
schwerpunktmäßig astronomisch orientierten Themen. Wir
sind einigermaßen stolz darauf, dass es uns gelingt, anerkannte
Fachleute aus der ganzen Bundesrepublik dafür zu gewinnen. Denn
wir können natürlich kein Honorar, sondern lediglich alle
Reise- und Hotelkosten zahlen. Vor Ort haben wir natürlich schon
eine Reihe von sehr guten Referenten. So haben wir bereits mehrfach
die Herren Profs. Voigt, Kippenhahn und Beuermann und als besonderes
Highlight den Nobelpreisträger Prof. Eigen begrüßen
können. Im vergangenen Jahr hatten wir auch die Freude Prof.
David Malin, allen Astrofotografen selbstverständlich bekannt,
hier zu haben. Vielleicht ist dieses hohe Qualitätsniveau der
Grund dafür, dass selbst nach dem im vergangenen März
60.ten Vortrag (von Herrn Dr. Keller, Max-Planck-Institut in
Lindau/Harz, zu den Marsmissionen) das Interesse des Publikums
konstant groß ist und trotz eines Eintrittspreises (natürlich
nur für Nicht-Vereinsmitglieder!) regelmäßig etwa 100
bis 130 Zuhörer an den Veranstaltungen teilnehmen.