Förderkreis Planetarium Göttingen e.V. -
Ein Verein stellt sich vor

Förderkreis Planetarium Göttingen

Von Dr. Thomas Langbein, 1.Vorsitzender, im Februar 2000

I. Ziele

1994 entschloss sich ein kleines Häuflein von Astronomen und Astrophysikern, eine untereinander schon seit längerer Zeit diskutierte Idee ernsthaft in Angriff zu nehmen: den Bau eines Planetariums in Göttingen. Die Zeit schien günstig, denn obwohl die Stadtkassen wie die vieler Kommunen leer sind, wurde damals sehr intensiv über die Etablierung eines Wissenschaftszentrums mit nationalem Charakter nachgedacht, wobei ein treibender Gedanke die bevorstehende EXPO 2000 in Hannover war. Da Göttingen über die ICE-Verbindung keine 30 Minuten vom EXPO-Gelände entfernt liegt, war es realistisch von einem nicht unerheblichen Besucherstrom, insbesondere von Hotelgästen auszugehen. Warum also sollte man nicht versuchen, diesen Besuchern mehr als nur eine Schlafstatt und einen attraktiven Bahnhof zu bieten? Standort dieses Zentrums sollte ein zentral gelegenes, bahnhofsnahes Areal sein, dessen Hauptelement – eine stillgelegte, langsam verfallende Lokrichthalle – durch derartige neue Nutzung als Industriedenkmal erhalten werden sollte. Da in den meisten derartigen ”Science Centern” ein Planetarium integrativer Bestandteil ist, und Göttingen darüber hinaus die einzige Universität in Niedersachsen mit einer Sternwarte ist – noch dazu einer sehr traditionsreichen –, waren wir überzeugt, dass unsere Idee überall mit offenen Armen aufgenommen werden würde. Wir gründeten deshalb im April 1994 den Verein, dessen satzungsgemäßes Ziel es ist, an der Verbreitung des modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes mitzuwirken. Mittel zum Zweck soll ein Planetarium sein, denn es gibt unserer Meinung nach kaum ein besseres Hilfsmittel, um die Basis dieses Weltbildes – nämlich die Stellung unserer kosmischen Heimat im Universum und die Bedeutung unserer eigenen Existenz – zu vermitteln. Von Anfang an gingen wir dabei von einem Mittelplanetarium – also einem Kuppeldurchmesser von 15 bis 18 Metern – aus. Besonders die geografische Lage Göttingens rechtfertigt diese Größenordnung: im Umkreis von 200 km gibt es keine vergleichbar große Einrichtung. Es war und ist uns klar, dass dies erfolgreich nur professionell und damit nicht ganz billig betrieben werden kann.

II. Erste Schritte

In der Tat stieß unsere Idee auf große Zustimmung: Die Zahl der Vereinsmitglieder wuchs in den ersten Jahren konstant. Viele Gespräche mit Kommunal-, Landes und auch Bundespolitikern zeigten die Plausibilität unserer Argumente. Frau Süssmuth als lokale Bundestagsabgeordnete und damals noch Bundestagspräsidentin, Herr Schröder, damals Ministerpräsident Niedersachsens, seine Fachminister für Wissenschaft und Kultur sowie Kultus und natürlich die Lokalpolitiker (Oberbürgermeister, Oberstadtdirektor, Kulturdezernent) – sie alle sagten Unterstützung zu, machten aber zugleich immer deutlich, dass die Übernahme der Finanzierung des Projektes durch die öffentliche Hand, insbesondere die der laufenden Kosten von keinem Politiker verantwortet werden könnte. Gleichzeitig wurde das erwähnte Areal mit dem Namen ”Otto-Hahn-Zentrum” getauft und damit in gewissem Maße eine Selbstverpflichtung definiert, dort nun auch tatsächlich die Verbundenheit der Stadt mit der Wissenschaft zu demonstrieren. Die städtische “Gesellschaft für Wirtschaftsförderung” (GWG) wurde Eigentümerin des Geländes und versuchte pragmatische und finanzierbare Lösungen zu finden. Dies bedeutete allerdings auch, dass zunächst kommerzielle Gesichtspunkte in den Vordergrund rückten. Als erstes wurde ziemlich schnell ein Großkino in einen Teil der Lokhalle eingebaut. Leider war der Kinobetreiber nicht davon zu überzeugen, ein Planetarium mit in sein Betriebskonzept einzubeziehen. Außerdem war unter Beibehaltung des Charakters der Halle, das Planetarium in der von uns angestrebten Größenordnung nicht zu integrieren.

III. Perspektiven

Inzwischen sind einige weitere Pläne zur Gestaltung des Geländes umgesetzt: Die Lokrichthalle wurde saniert und ist mittlerweile ein beliebter Ort für Großveranstaltungen; die Volkshochschule, ein Medienzentrum und ein IC-Hotel wurden neu gebaut. Diese Elemente sind termingerecht zum Jahresbeginn fertiggestellt worden. Die GWG hat damit die selbst gesteckten Ziele vor Beginn der EXPO erreicht. Allein der Bezug zur Wissenschaft wird zur Zeit nur durch ein in der großen Halle geplantes EXPO-Projekt der Stadt und der Initiative für ein ”Science Center” hergestellt – und dies nur bis zum Ende der EXPO. Es ist mittlerweile ziemlich klar, dass es in Göttingen kein ”Science Center” geben wird. Aber: es soll ein Kongresszentrum auf dem Gelände gebaut werden. Und hier bestehen Aussichten ein Planetarium zu integrieren. Jedenfalls stehen wir in intensivem Kontakt zu den Verantwortlichen.

Dreh- und Angelpunkt ist natürlich nach wie vor die Finanzierung. Hier hat uns der niedersächsische Wissenschaftsminister Oppermann Hilfe zugesagt, wenn wir in der Lage sind ein sich tragendes, also mindestens kostenerwirtschaftendes Betriebskonzept vorzulegen. Dies vernünftig zu prognostizieren ist eine schwierige Aufgabe, an der wir zur Zeit arbeiten. Notwendig ist die Integration in ein Umfeld attraktiver Angebote und in ein Kongress- und Veranstaltungsmanagement – Voraussetzungen, die prinzipiell gegeben wären, mangels einer derzeit fehlenden detaillierten, übergreifenden Planung aber schwer in konkrete Zahlen für einen auf ein Planetarium entfallenden Anteil (an Betriebskosten und Einnahmeerwartungen) umzusetzen sind. Aber wir haben einen langen Atem! Bisher gab es keinen Mitgliederschwund wegen fehlender Erfolgsaussichten. Die Motivation ist ungebrochen groß.

Vereinspräsentation

IV. Aktivitäten

Mittlerweile130 Mitglieder aus allen sozialen Gruppierungen und Altersklassen halten uns die Treue; neben dem offensichtlichen Interesse am Projekt ”Planetarium Göttingen” liegt dies sicher auch daran, dass wir mit verschiedenen Angeboten dem Vereinsanspruch (s.o.) gerecht zu werden versuchen: ein Mitteilungsblatt mit dem Titel ”fpg-intern” bietet sowohl vereinsinterne Informationen, als auch astronomische Fachartikel; es werden Fahrten zu Planetarien organisiert (Wolfsburg, Jena, Bochum), Beiträge zu besonderen Veranstaltungen und Ausstellungen geliefert (”Tage der Experimente”, Burg Plesse bei Göttingen, 1995, 1996, 1997; ”Tag der Raumfahrt”, DLR, 1998; ”Astro-Tage”, Kaufpark Göttingen, 1999; ”Bücher, Sterne & Maschinen”, Städtisches Museum Göttingen, 2000, etc.) und komplett eigene Projekte durchgeführt (Begleitveranstaltungen zu Filmstarts: ”Contact”, 1997, ”Armageddon”, 1998; Filmfest im lokalen CinemaxX, 1998; Infostände in der Innenstadt). Alle diese Präsentationen hatten natürlich immer nur einen Zweck: die Öffentlichkeit auf uns und unsere Idee aufmerksam zu machen, wobei es durchaus interne Diskussionen, etwa bei den Filmveranstaltungen, über die Seriosität einer Beteiligung gab. Wir waren aber immer darum bemüht, korrekte Informationen zu geben, um etwa den Zuschauern von ”Armageddon” eine fundierte Einordnung des Streifens zu ermöglichen.

Über jeden Zweifel erhaben und als besonders erfolgreich – nicht nur bei den Mitgliedern – hat sich unsere Vortragsreihe ”Faszinierendes Weltall” erwiesen, die mittlerweile ins sechste Jahr gegangen ist. Die Reihe beginnt immer im Oktober und bietet alle 14 Tage bis März zehn Vorträge zu schwerpunktmäßig astronomisch orientierten Themen. Wir sind einigermaßen stolz darauf, dass es uns gelingt, anerkannte Fachleute aus der ganzen Bundesrepublik dafür zu gewinnen. Denn wir können natürlich kein Honorar, sondern lediglich alle Reise- und Hotelkosten zahlen. Vor Ort haben wir natürlich schon eine Reihe von sehr guten Referenten. So haben wir bereits mehrfach die Herren Profs. Voigt, Kippenhahn und Beuermann und als besonderes Highlight den Nobelpreisträger Prof. Eigen begrüßen können. Im vergangenen Jahr hatten wir auch die Freude Prof. David Malin, allen Astrofotografen selbstverständlich bekannt, hier zu haben. Vielleicht ist dieses hohe Qualitätsniveau der Grund dafür, dass selbst nach dem im vergangenen März 60.ten Vortrag (von Herrn Dr. Keller, Max-Planck-Institut in Lindau/Harz, zu den Marsmissionen) das Interesse des Publikums konstant groß ist und trotz eines Eintrittspreises (natürlich nur für Nicht-Vereinsmitglieder!) regelmäßig etwa 100 bis 130 Zuhörer an den Veranstaltungen teilnehmen.


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Letzte Änderung: 1. März 2000, KB