Planetenwegsinflation

Förderkreis Planetarium Göttingen

Zur GT-Meldung „OB gegen Astro-Weg nach Grone“ vom 1.11.2003, S. 11

Planetenwegsinflation oder: Wie viele Planetenwege braucht Göttingen?

Der Göttinger Planetenweg ist seit seiner Eröffnung am 19.9.2003 in kürzester Zeit zu einer Attraktion für die gesamte Stadt geworden. Dies hängt sicher damit zusammen, dass sich der Förderkreis Planetarium Göttingen e.V. als Träger und Initiator des Projektes um eine seriöse und dem Anspruch der Wissenschaftsstadt Göttingen gerecht werdende Gestaltung bemüht hat. Mit einer von uns erstellten Broschüre sowie regelmäßig stattfindenden Führungen versu­chen wir des weiteren die zahlreichen zur Stadt bestehenden Bezüge und die Besonderheiten gerade der Göttinger Variante eines Planetenweges zu vermitteln.

Wir begrüßen sehr die Begeisterung des Groner Ortsrates für die Präsentation von Astronomie im öffentlichen Raum und stehen jederzeit zur Verfü­gung, bei der Konzeption eines vernünf­tigen Projektes zum Thema Astronomie in Grone zu helfen, sowie kompe­tente, wissen­schaftlich fundierte Unterstützung zu liefern. Aber ebenso wie der Oberbürgermeister sehen wir kein vernünftiges Projekt darin, gerade mal drei Wochen nach seiner Eröffnung, einen zweiten Planetenweg zu planen. Die einfache Spie­gelung des ersten führt nicht gleichzeitig zu einer Verdoppelung seiner Attraktivität. Im Gegenteil: der didaktische Anspruch eines Pla­netenweges wird geradezu konterkariert, wenn die Spazier­gänger plötzlich jedes Objekt dop­pelt vorfinden. Und wenn Richtung Westen gespiegelt wird, warum nicht auch nach Norden und Süden? Ganz besonders ärgerlich ist es für die bisheri­gen Sponsoren, die im Vertrauen auf die Einzigartig­keit des Projektes in Göttingen und unter der ausdrück­lichen Zusage, mit „ihrem“ Planeten exklusiv Werbung betreiben zu können, immer­hin je­weils € 5000,- in­vestiert haben. An erster Stelle würden also mit dem „Spiegel­weg“ die­jenigen missachtet werden, deren finan­zielles Engagement den ursprünglichen Plane­tenweg überhaupt erst ermöglicht hat – und nicht der Ortsteil Grone, so sehr wir die Verärgerung der Groner über die vermeintliche Miss­ach­tung durch die Absage des OB auch verstehen. Ganz nebenbei: im ge­wählten Maßstab von 1:2 Milliarden würden die wenigsten Objekte überhaupt in Grone stehen. Hier wird weniger ein Ortsteil missachtet als vielmehr missbraucht, um einen über­flüs­sigen Vorschlag doch noch durchzusetzen. Deshalb noch mal: für ein sinnvolles Projekt stehen wir bereit. Ideen dazu haben wir allemal.

Dr. Thomas Langbein, Förderkreis Planetarium Göttingen e.V.

Erschienen im Göttinger Tageblatt vom 15.11.2003



Zum Leserbrief „Astro-Potpourri ohne Maßstab – Möbelpacker als Pianist am Flügel“ vom 22.11.2003

Es wird vielleicht überraschen: aber diesen Äußerungen des bekannten Spieleerfinders Dr. Reinhold Wittig kann ich auch etwas Positives abgewinnen. Denn kaum deutlicher hätte wer­den können, auf welches Niveau sich diejenigen herab begeben müssen (und das gebe ich besonders den Gronern zu bedenken), die sich auf ihn einlassen und es wagen, Kritik an sei­nen Ideen zu üben. Dann wird schon mal zum Rundumschlag ausgeholt, der Kritiker mit Häme überzogen, beleidigt und lächerlich gemacht – aber letztlich zu den vorgetragenen Einwänden nichts gesagt. So erfährt man nicht, worin der Sinn einer Spiegelung des Planeten­weges liegt, was die Spiegelachse auszeichnet und wie den bisherigen Sponsoren erklärt wer­den soll, warum „ihr Planet“ nun doch nicht mehr einmalig in Göttingen ist. Letzteres würde übrigens – wie einige Sponsoren bereits angekündigt haben – zu Klagen führen, die dem An­sehen der Stadt und des Planetenweges nur schaden können, was wir als Träger des Projektes keinesfalls dulden können. Damit bleibt der Wittigsche Vorschlag sinnlos und deshalb überflüssig. Offenbar kommt diese Qualifizierung aber schon einem persönlichen Angriff gleich, obwohl ich den Urheber der „Spiegelei“-Idee in meinem Text überhaupt nicht erwäh­ne. Statt den Vorschlag jetzt wenigstens mit Substanz zu erfüllen, besteht die Reaktion darin, gleich einen ganzen Verein und speziell die Person des Vorsitzenden verächtlich zu machen. Das ist infam, aber sein Versuch der Substitution von Argumenten durch abstruse Vorwürfe und Unterstellungen ist uns nicht neu.

Dass die Reaktion jetzt so heftig und unsachlich ausfällt, hängt natürlich auch mit der langen Historie des „Planetenweg Göttingen“ zusammen, die ich hier nicht ausbreiten kann und will. Es ist bekannt, dass es nach Anstoß des Projektes bei der Stadt durch das damalige Vereins­mitglied Dr. Wittig und die beiden Vorsitzenden des Förderkreis Planetarium Göttingen e.V. (FPG) zu Strei­tigkeiten kam, die unter Vermittlung der Stadt und nach einjährigen, zum Teil aberwitzigen Diskussionen mit einem Kompromiss endeten – glaubte ich zumindest. Nach meinem Verständnis ist das eine Lösung, bei der jeder etwas Federn lässt, aber bereit ist, sie nach außen hin geschlossen zu vertreten. Aber offenbar gilt diese Definition des Begriffes in der Welt des Hobby-Künstlers nicht, wie er mit seinem Leserbrief eindrucksvoll demonstriert. Auch das ist nicht wirklich neu. An anderer Stelle werden ebenso konsequent kompromisslos neben dem FPG (wen wundert’s?) mal eben alle Fachleute, die etwas von Astronomie verstehen, und ihre Heimatinstitute (DLR, MPAE, Sternwarte etc.) populistisch abgewatscht. Dennoch werde ich auch jetzt die Unzulänglichkeiten der Stelen, die wir schlussendlich hingenommen haben, nicht in die Öffentlichkeit tragen. Immerhin sind wir froh, den gröbsten Unfug verhindert zu haben.

Fazit: Herr Dr. Wittig hat offenbar eine – moderat ausgedrückt – sehr eigene Sicht der Dinge, die nicht unbedingt immer mit der Realität in Einklang zu bringen ist. Auch scheint er manche Begriffe ganz anders zu definieren als die meisten anderen Menschen, was eine normale Kommunikation doch sehr erschwert. Deshalb „Möbelpackers Rat“: Vielleicht wäre es besser, er konzentriert sich wieder mehr aufs Erfinden von Spielen. Denn leider muss neben der astronomisch-inhaltlichen jetzt auch die von mir während der Eröffnung des Planetenweges ausdrücklich gelobte „Kompetenz in Bronzeguss“ wohl doch relativiert werden. Denn: Die Sonne rostet! Für Bronze eigentlich ungewöhnlich....

Übrigens: Unser Angebot an die Groner besteht weiterhin.

Dr. Thomas Langbein, Förderkreis Planetarium Göttingen e.V.

Erschienen im Göttinger Tageblatt vom 5.12.2003 (gekürzt)


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Letzte Änderung: 5. Dezember 2003, KB