Der Sternenhimmel im dritten Quartal 2010

von Jürgen Krieg

Förderkreis Planetarium Göttingen

In diesem Sommer stehen die Planeten günstig! Diese Aussage gilt diesmal nicht für die Astrologie - sondern für die Astronomie. Während die Befürworter der Schicksalsdeutung vergebens den Einfluss der Planeten auf uns Menschen zu beweisen suchen, haben die Astronomen erfolgreich die naturwissenschaftlichen Regeln im großen Spiel der Planeten durchschaut. Der Förderkreis Planetarium Göttingen (FPG), als eine astronomische Vereinigung, möchte auch im dritten Quartal 2010 den aktuellen Stand des Planetenspiels bekannt geben. Außerdem wird wie immer auch ein Blick auf den aktuellen Sternenhimmel geworfen.

Merkur und Venus

Der sonnennächste Planet Merkur wie auch seine größere Schwester, die Venus, sind im Sommerquartal zu beobachten. Während Venus im gesamten Zeitraum am Abendhimmel über dem Westhorizont steht, ist Merkur nur im September in der Morgendämmerung zu sehen.

Ab etwa 17. September kann der kleine Planet tief über dem Osthorizont aufgesucht werden. Zwischen 5:45 Uhr und 6:15 Uhr gelingt dies am besten. Am letzten Tag des Monats endet die Sichtbarkeitsperiode. Merkur ist nun in der Zeit zwischen 6:15 Uhr und 6:45 Uhr zu sehen, bevor die einsetzende Morgendämmerung den Himmel zu sehr aufhellt. Da der Planet nie sehr hoch am Himmel steht, ist eine freie Horizontsicht unbedingt notwendig.

Um abzuschätzen, in welcher Höhe über dem Horizont sich Merkur befindet, kann die eigene Hand zur Hilfe genommen werden. Schließt man diese zur Faust, dann treten die Knöchel der vier Finger deutlich hervor. Der Abstand zwischen dem Knöchel des Zeigefingers und dem des kleinen Fingers beträgt bei ausgestrecktem Arm etwa 7 Grad, unabhängig von der Person. Dreht man die Faust nun so, dass der Knöchel des Zeigefingers auf der Höhe des Horizonts ruht, dann wird Merkur im September nie höher als der Knöchel des kleinen Fingers über der Horizontlinie zu finden sein.

Obwohl ihre Beobachtungsperiode langsam zu Ende geht, ist Venus am Abendhimmel immer noch das alles beherrschende Objekt. Durch ihre große Helligkeit fällt sie sofort auf. Sehr schön kann man die Bewegung der Venus am Himmel verfolgen, wenn sie zwischen dem 8. und dem 11. Juli an Regulus, dem Hauptstern des Sternbilds Löwe, vorbeiwandert. Am 16. Juli gegen 23 Uhr, knapp vor Venusuntergang, steht diese zusammen mit Mars, Saturn und der Sichel des zunehmenden Mondes über dem Westhorizont. Das Treffen wiederholt sich am Abend des 13. August gegen 21:30 Uhr. Dann steht Venus sogar noch näher bei Mars und Saturn. Da möglicherweise das Wetter an diesen beiden Tagen nicht zum Beobachten einläd, lohnt sich der Blick auch an den Tagen davor oder danach. Die drei Planeten stehen auch dann dicht beieinander, jedoch fehlt der Mond.

Ende August Anfang September wandert Venus an Spica, dem Hauptstern des Sternbilds Jungfrau, vorbei. Mit diesem Rendezvous endet diese Periode der Abendsichtbarkeit von Venus. Ihr Untergang verfrüht sich im Laufe des September von 21:05 Uhr am Monatsersten auf 19:23 Uhr am Monatsletzten. Da Venus auch am Taghimmel beobachtet werden kann, besteht am 11. September die Möglichkeit, die enge Begegnung der Venus mit der Sichel des zunehmenden Mondes zu verfolgen. Gegen 13 Uhr stehen Venus und Mond weniger als zwei Vollmonddurchmesser auseinander. Voraussetzung für die Beobachtung ist ein klarer Himmel und ein Feldstecher zum Auffinden. Der Feldstecher sollte möglichst am Abend zuvor am Sternenhimmel scharf eingestellt werden. Dies ist am Taghimmel nicht möglich. Wird dies nicht getan, dann kann es passieren, dass man weder Mond noch Venus findet.

Die äußeren Planeten

Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun werden als die äußeren Planet bezeichnet, da sie ihre Bahnen außerhalb der Erdbahn um die Sonne ziehen. Alle fünf Planeten können am nächtlichen Sommerhimmel beobachtet werden, wenn auch nicht alle mit bloßem Auge. Während Mars und Saturn ihre Abschiedsvorstellung geben, sind die anderen drei Planeten fast die gesamte Nacht hindurch zu sehen. Ab Mitte August gehen Mars und Saturn noch in der Abenddämmerung unter und scheiden als Beobachtungsobjekte aus. Dafür verfrüht sich der Aufgang von Jupiter, Uranus und Neptun immer mehr. Anfang Juli gehen Jupiter und Uranus, die am Himmel scheinbar dicht beieinander stehen, kurz vor ein Uhr auf. Neptun steht dann schon etwa eine Stunde über dem Horizont.

Da Neptun im August sowie Jupiter und Uranus im September in Opposition zur Sonne stehen, gehen sie immer früher auf und sind ab Anfang August die gesamte Nacht über zu beobachten. Unter guten Wetterbedingungen kann Uranus gerade so mit bloßem Auge gesehen werden. Besser ist es allerdings ihn mit einem Feldstecher aufzusuchen. Als Hilfe bietet sich im Moment Jupiter an, der nur etwa zwei Vollmonddurchmesser von Uranus entfernt seine Bahn zieht. Um Neptun zu finden, benötigt man eine Sternkarte der Himmelsgegend und einen größeren Feldstecher bzw. ein Teleskop. Er ist deutlich lichtschwächer als Uranus und kann mit bloßem Auge nicht mehr gesehen werden.

Der Sternenhimmel

Der Sommersternenhimmel hat nun seine ganze Pracht entfaltet. Vom Südhorizont her steigt das helle Band der Milchstraße fast senkrecht an. Über den Kopf des Beobachters hinweg lässt es sich weiter zum Nordhorizont verfolgen. Hier ist das Band allerdings deutlich lichtschwächer. Das liegt daran, dass man über dem Südhorizont direkt in Richtung des Zentrums unserer Galaxie schaut. Dort stehen die Sterne viel zahlreicher als in allen anderen Richtungen am Himmel.

In das Band der Milchstraße eingebettet steht knapp über dem Südhorizont das Sternbild Schütze. In Nordamerika wird es auch "Teekessel" genannt, da sich die Sterne leichter zu diesem Küchenutensil zusammenfassen lassen, als zu einer Menschengestalt mit Pfeil und Bogen. Westlich (rechts) vom Schützen sind noch einige Sterne vom Skorpion zu sehen. Der rot leuchtende Stern Antares fällt sofort auf. Von Deutschland ist das Sternbild nie komplett zu sehen. Will man mehr als Antares und die Scheren des Skorpion sehen, ist eine Reise zum Mittelmeer notwendig.

Direkt oberhalb des Schützen bis zum Zenit, dem Punkt direkt über dem Beobachter, bilden drei helle Sterne (Atair, Wega und Deneb) ein großes, lang gestrecktes Dreieck. Es ist das sogenannte "Sommerdreieck". Gebildet wird es aus den drei Hauptsternen der Sternbilder Adler, Leier und Schwan. Die Sterne des Sommerdreiecks sind hell genug, dass sie in der Abenddämmerung als erste zu sehen sind. Alle drei Sternbilder liegen in der Milchstraße. Deshalb finden sich in ihnen eine große Anzahl von Nebel und Sternhaufen. Schon ein Feldstecher kann hier wahre Begeisterungsstürme entfachen.

Weiter westlich des Sommerdreiecks liegt ein großes Gebiet, in dem nur leuchtschwache Sterne stehen. Als Anfänger benötigt man hier eine Sternkarte, um die Sternbilder des Schlangenträgers, der Schlange oder des Herkules zu finden. Beim Blick zum Westhorizont ist dort ein einzelner, heller Stern zu sehen. Es ist Arktur im Sternbild Bootes. Es ist das letzte noch sichtbare Frühlingssternbild, welches noch nicht untergegangen ist.

Fast schon im Norden steht tief über dem Horizont das Sternbild Großer Bär. Der Große Wagen, der ja ein Teil vom Großen Bären ist, weist mit seinen beiden hinteren Kastensternen aber weiterhin Richtung Polarstern. Von diesem Stern aus muss nur noch eine Linie Richtung Horizont gezogen werden und schon ist die Nordrichtung bekannt.

Über dem Osthorizont haben sich um diese Jahreszeit schon die ersten Herbststernbilder versammelt. Auffällig ist dabei ein großes Viereck aus Sternen, welches auf der Spitze steht. Es ist der Hauptteil des Sternbilds Pegasus. An das Viereck schließt sich Richtung Nordost eine Kette aus Sternen an. Es ist das Sternbild Andromeda. Vielen astronomisch Interessierten ist es durch den Andromedanebel bekannt. Dabei handelt es sich um eine Galaxie, die ähnliche Ausmaße wie die unsrige hat.

Noch etwas weiter im Nordosten folgt der Sternenkette das Sternbild Perseus. Es sieht ein wenig wie der Buchstabe C aus. In ihm ist der Ausgangspunkt vieler Sternschnuppen zu suchen, die in der Nacht vom 12. auf den 13. August zu sehen sind. Verlängert man die Spuren der Sternschnuppen nach rückwärts, so enden sie alle in diesem Sternbild. Deshalb hat der Sternschnuppenstrom auch den Namen Perseiden erhalten. Da in diesem Jahr am 10. August Neumond ist, stört der Mond nur in den ersten Nachtstunden. Da aber die meisten Sternschnuppen erst in der zweiten Nachthälfte kommen, können sie - gutes Wetter vorausgesetzt - in diesem Jahr sehr gut beobachtet werden.

Neben dem 10. August ist noch am 11. Juli und am 8. September Neumond. Den Vollmond zu bestaunen ist am 26. Juli, am 24. August und am 23. September möglich.

Viel Spaß beim Beobachten!