Der Sternenhimmel im ersten Quartal 2012

von Jürgen Krieg

Förderkreis Planetarium Göttingen

Eine Finsternis wie im Dezember kann zu Beginn des neuen Jahres nicht angekündigt werden. Überhaupt kommt das Jahr 2012 aus deutscher Sicht ohne Finsternisse aus. Dass es sich dennoch lohnt, den nächtlichen Himmel zu beobachten, möchte der Förderkreis Planetarium Göttingen (FPG) im Folgenden berichten.

Mars in Opposition

Der Höhepunkt im ersten Quartal 2012 findet im März statt. Am 3. des Monats steht der Planet Mars in Opposition. Zu diesem Zeitpunkt sind Sonne, Erde und Mars entlang einer Linie aufgereiht. Der rote Planet ist dann die gesamte Nacht hindurch zu beobachten. Schon seit Ende letzten Jahres ist den aufmerksamen Beobachtern die Zunahme der Helligkeit von Mars nicht entgangen. Jetzt, zur Oppositionszeit, erreicht er seine größte Helligkeit und ist nach Venus und Jupiter der dritthellste Planet. Ganz so hell wie bei den letzten Oppositionen, die etwa alle zwei Jahre stattfinden, ist der Planet aber dieses Mal nicht. Ursache dafür ist seine große Entfernung von Sonne und Erde. Etwa zwei Wochen vor der diesjährigen Opposition befindet sich Mars im sonnenfernsten Punkt auf seiner Bahn um die Sonne. Die Erde hat dagegen Anfang Januar ihren sonnennächsten Punkt durchlaufen. Diese ungünstige Konstellation führt am Tag der Opposition zu einem Abstand von 101 Millionen Kilometern zwischen den beiden Planeten. Diese Entfernung kann bei anderen Oppositionen bis auf 56 Millionen Kilometer schrumpfen, wie es z. B. im Jahr 2003 gewesen war. Erst 2018 wird mit 58 Millionen Kilometern wieder ein ähnlich günstiger Abstand erreicht. Der große Abstand zwischen Erde und Mars hat zur Folge, dass das Marsscheibchen relativ klein bleibt. Details auf ihm können deshalb nur mit größeren Teleskopen gut beobachtet werden. Mars steigt zu Jahresanfang um 22:28 Uhr über den Horizont. Er ist damit in der zweiten Nachthälfte besser zu beobachten. Allerdings verfrüht sich sein Aufgang von Tag zu Tag sehr rasch. Am letzten Januartag geht er schon um 20:42 Uhr auf. Am Tag der Opposition kann der rote Planet dann schon ab 17:43 Uhr über dem Osthorizont aufgesucht werden

Die anderen Planeten

Der sonnennächste Planet Merkur ist zu Jahresanfang nicht zu sehen. Erst Ende Februar/ Anfang März bietet sich eine Möglichkeit zur Beobachtung. Nach den letzten beiden Morgensichtbarkeiten ist Merkur dieses Mal am Abendhimmel zu sehen. Ab dem 25. Februar kann der Planet nach 18:30 Uhr tief über dem Westhorizont für etwa eine halbe Stunde aufgesucht werden. Letzte Gelegenheit ihn mit bloßem Auge zu sehen dürfte um den 8. März sein. An diesem Tag ist Merkur ab 18:45 Uhr für nicht ganz eine Stunde zu beobachten. Zum Auffinden sollte ein Feldstecher verwendet und auf freie Horizontsicht geachtet werden. Venus ist das gesamte Quartal hindurch am Abendhimmel zu beobachten. Dabei ist sie von Monat zu Monat besser zu sehen. Ihre große Helligkeit, die nur von Sonne und Mond übertroffen wird, lässt sie schon in der ausgehenden Dämmerung sichtbar werden. Ein Blick zum Westhorizont genügt dafür. Während Venus an Neujahr schon um 19:15 Uhr untergeht, ist sie am letzten Märztag bis 23:33 Uhr bzw. bis zum 1. April um 0:33 Uhr Sommerzeit zu sehen. Am 9. und 10. Februar bewegt sich Venus an Uranus vorbei. Mit einem Feldstecher versehen besteht nun die Möglichkeit den sonnenfernen Planeten einmal selbst aufzufinden. Der Abstand zwischen den beiden Planeten beträgt dann nur gut einen Vollmonddurchmesser. Um den 13. März stattet Venus Jupiter einen Besuch ab. Nach 22. Uhr bieten die beiden hellsten Planeten knapp über dem Westhorizont einen beeindruckenden Anblick. Jupiter ist zu Jahresbeginn der Planet der ersten Nachthälfte. Während er am 1. Januar noch um 2:32 Uhr untergeht, verschwindet er am 31. März schon um 22:49 Uhr Sommerzeit unter dem Horizont. Die immer später einsetzende Abenddämmerung macht es zunehmend schwieriger den Riesenplaneten zu beobachten. Saturn ist zu Beginn des Jahres am Morgenhimmel zu finden. Seine Aufgänge verlagern sich von 2:09 Uhr am 1. Januar auf 0:17 Uhr am Monatsletzten. Da der Ringplanet Ende März schon um 21:04 Uhr Sommerzeit über den Horizont steigt, bieten sich die klaren Frühlingsnächte für eine Beobachtung an, auch wenn am folgenden Morgen der Wecker früh klingelt.

Der Sternenhimmel

Wer den Sternschnuppenstrom der Geminiden im Dezember verpasst hat und nicht bis zu den Perseiden im August warten will, dem sei die Nacht vom 3. auf den 4. Januar zum Beobachten empfohlen. In dieser Nacht erreicht der Sternschnuppenstrom der Quandrantiden, auch Bootiden genannten, sein Maximum. In der zweiten Nachthälfte können bis zu 100 Sternschnuppen gezählt werden. Dabei sind es kurz nach Mitternacht deutlich weniger als vor Anbruch der Morgendämmerung. Verlängert man die Bahnen der Sternschnuppen rückwärts, so treffen sie sich alle im Sternbild Bootes. Es steht Anfang Januar um 3 Uhr morgens über dem Osthorizont. Zusammen mit Bootes stehen am östlichen Sternenhimmel noch der Große Bär und direkt darunter der Löwe. Dieser ist leicht zu finden, bewegt sich doch im Moment der Mars durch ihn hindurch. Beim Blick zum Südhimmel fallen dort sofort die Wintersternbilder auf. Viele von ihnen enthalten eine große Anzahl heller Sterne. So scheint dieser Himmelsabschnitt wie ein Haufen von Diamanten zu funkeln. Etwa auf halber Höhe ist eine Kette aus drei Sternen recht auffällig. Sie gehören zum Sternbild Orion und bilden den Gürtel des Himmelsjägers. Westlich vom Orion und etwas höher steht der Stier mit seinem "roten Auge" Aldebaran. Nicht weit davon entfernt fallen die Plejaden als kleine, kompakte Sternengruppe auf. Fast im Zenit, dem Punkt direkt über dem Beobachter, ist ein Fünfeck aus hellen Sternen auszumachen. Es ist der Fuhrmann. Der hellste Stern wird Kapella genannt. Auf halbem Weg zurück zum Orion aber weiter östlich stehen zwei fast gleich helle Sterne: Kastor und Pollux. Sie gehören zum Sternbild Zwillinge. Direkt unter ihnen zieht ein einzelner Stern seine Bahn. Es ist Prokyon, der Hauptstern im Sternbild Kleiner Hund. Ganz in der Nähe begleitet ihn der Große Hund. Dieser steht etwas näher am Horizont und wird durch Sirius, den hellsten Stern am gesamten Himmel, markiert. Zieht man eine Linie von Sirius zum unteren, rechten Fußstern des Orion mit dem Namen Rigel und von dort weiter über Aldebaran, Kapella, Pollux, Prokyon und zurück zu Sirius, dann erhält man das sogenannte "Wintersechseck".

Um dieses in seiner ganzen Pracht beobachten zu können, sind die Nächte um Neumond zu wählen. Neumond ist am 23.01., am 21.02. und am 22.03. Für einen Nachtspaziergang im Schnee eignen sich die Vollmondnächte am 09.01., am 07.02. und am 08.03.

Viel Spaß beim Beobachten!